Verband begrüßt den Vorstoß der Landtagspräsidentin für weltlichen Feiertag

Wie NDR, HAZ und andere berichteten, sprach sich Landtagspräsidentin Gabriele Andretta am 14. Februar für den Weltfrauentag am 8. März als neuen Feiertag für Niedersachsen aus. Bereits Anfang Januar erklärte sie gegenüber dem Göttinger Tageblatt, dass sie sich einen weltlichen Anlass wünscht, „zum Beispiel den Internationalen Frauentag am 8. März, den Europatag am 9. Mai, den Tag der Menschenrechte am 10. Dezember oder ein historisches Ereignis der gemeinsamen deutschen Geschichte.“ Sie betonte, dass Religion zwar für viele Menschen eine hohe Bedeutung habe, doch seien Politik und Religion getrennte Bereiche.

Feiertag Niedersachsen

Dem schließt sich der Humanistische Verband mit Nachdruck an. Wir fordern eine Grundsatzentscheidung in den norddeutschen Parlamenten, ob der neue Feiertag ein kirchlicher werden soll, der die Bevölkerung immer ein Stück weit spalten würde, oder aber ein weltlicher, der allen Bürgern etwas bedeutet.

Der Weltfrauentag ist grundsätzlich ein Grund zum Feiern und ein gutes Beispiel für einen weltlichen Feiertag. Will man allerdings einen wirklich inklusiven Feiertag für alle Menschen, der nicht zuletzt auch die Gleichberechtigung der Geschlechter einschließt, kommt man an dem vom Humanistischen Verband vorgeschlagenen Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember nicht vorbei.

Verband schreibt offenen Brief an Landtagspräsidentin

Der Präsident des Humanistischen Verbandes Niedersachsen, Körperschaft des öffentlichen Rechts, begrüßte am 20. Februar in einem offenen Brief an Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta deren Einsatz für einen weltlichen Feiertag als Alternative zum konfessionellen Reformationstag.

Er wünscht sich, dass sie gemeinsam mit ihren Kollegen der anderen norddeutschen Bundesländer für eine Grundsatzentscheidung noch vor einer konkreten Terminfestlegung ausspricht, ob es ein kirchlicher Feiertag für wenige oder ein weltlicher Feiertag für alle werden soll.

Als Landtagspräsidenten solle sie sicherstellen, dass sich die Menschen mit ihren Haltungen und Werten demokratisch vertreten sehen. Will man einen sinnvollen Feiertag, dann müsse man sicherstellen, dass er den Bürgern der Bundesländer auch etwas bedeutet.

Als mögliche Termine für den vom Verband und zuvor von Andretta vorgeschlagenen Tag der Menschenrechte seien neben dem 10. Dezember als Jubiläum der Deklaration vor nun 70 Jahren, auch der 3. September oder 4. November als Datum vorstellbar. Die Europäische Menschenrechtskonvention wurde am 4. November 1950 die in Rom unterzeichnet und trat am 3. September 1953 in Kraft.

Den offenen Brief können Sie hier herunterladen.

Humanistischer Verband schlägt Tag der Menschenrechte vor

Unsere Gesellschaft beruht nicht nur auf rein christlichen oder gar protestantischen Vorstellungen und Werten. Viel bedeutender sind humanistische Werte wie Freiheit, Gleichheit, Solidarität – ganz gleich, ob sie nun weltlich oder religiös begründet werden. Diese Werte werden nirgends deutlicher, als in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Der Humanistische Verband schlägt daher vor, den Internationalen Tag der Menschenrechte dauerhaft als gesetzlichen Feiertag einzuführen. Verbandspräsident Guido Wiesner: „Dieses Datum vermag die Menschen mehr zu verbinden als jeder religiöse Feiertag.

In diesem Jahr jährt sich am 10. Dezember die Deklaration der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum 70. Mal. Sie ist zu verstehen als eine Reaktion auf die Irrungen und Verbrechen des 20. Jahrhunderts, besonders auch in Deutschland und im Namen des deutschen Volkes.

Der Humanistische Verband hat eine Onlinepetition zur Einführung des Tags der Menschenrechte eingerichtet, die Sie hier unterzeichnen können.

Der Reformationstag ist kein Tag der Aufklärung

Die Reaktionen auf den jüngsten Vorschlag Andrettas zeigen, dass die Fraktionen des niedersächsischen Landtags weniger auf den Reformationstag festgelegt sind als die SPD und die Länderchefs der „Konferenz Norddeutschland“ (KND).

So wollte die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Mareike Wulff, sich noch nicht auf ein Datum festlegen, denn jeder Vorschlag habe es eigentlich verdient, einen Feiertag zu bekommen. Auch die Grünen-Fraktion ist laut Imke Byl noch nicht festgelegt. Sie begrüßt einen weltlichen Tag. Sylvia Bruns, die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, betonte, dass die Liberalen grundsätzlich gegen einen neuen Feiertag sind. Der Reformationstag kommt jedoch auf keinen Fall in Frage.

Ganz anders äußerte sich Thela Wernstedt, frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Die Reformation stehe „(…) auch für gesellschaftliche Um- und Aufbrüche bis hin zur Aufklärung.“ Deshalb bleibe sie beim Reformationstag. Ganz ähnlich Bremens Bürgermeister und KND-Vorsitzender Carsten Sieling bereits Ende Januar gegenüber Bild Online: „Es geht doch beim Reformationstag um den Aufbruch, den Beginn der Aufklärung, der damals von Martin Luther ausgelöst wurde.

Diese Gleichsetzung von Reformation mit Renaissance-Humanismus und Aufklärung grenzt an Geschichtsklitterung. Mit ihren Versuchen, dem Eindruck eines religiösen oder gar konfessionellen Feiertages entgegenzuwirken, bürden die beiden SPD-Politiker Luther etwas zu viel des Guten auf. Das machte der ehemalige SPD-Chef Niedersachsens, Joke Bruns, in seinem Referat mit dem Titel „Luther und die Moderne“ bereits im Reformationsjahr 2017 deutlich. Bruns zieht folgenden Schluss:

Luther dachte und fühlte in einer rückwärtsgewandten theologischen Grundhaltung. Er war verortet im mittelalterlichen Aberglauben, in frühmittelalterlicher Anthropologie, in einem Staatsverständnis feudalistischer Art. Er hatte kein Gespür für die sich anbahnenden geistigen Kräfte, für die neuen Entdeckungen, die neuen Wissenschaften, die philosophischen Konsequenzen, also für all das, was sich dann im Humanismus, der Renaissance und später der Aufklärung Bahn brechen sollte. (…)

In Luthers Zeiten bebte schon die Erde unter dem Druck der neuen Kräfte. Er fühlte es nicht. Luther war ein geschichtsmächtiger Großer. Ohne sein Wirken ist das neue Europa nicht denkbar. Aber er war kein Ankerpunkt für Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte. Er hat die Tür zur Modernegeöffnet. Hätte er das gewusst, er hätte sie verriegelt.

(Der Beitrag ist in Ausgabe 1 I 2017 nachzulesen, sie steht hier zum Download bereit)

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Weitere Hintergrundinformationen finden Sie in der März-Ausgabe unserer Verbandszeitschrift „Humanismus leben“ mit dem Schwerpunktthema „Ein Feiertag für alle?“, welche Sie hier herunterladen können.

© Foto: Ra Boe/Wikipedia/Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

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