Interessenvertretung

Der Humanistische Verband setzt sich für die Interessen von Menschen ein, die keiner religiösen Konfession angehören. Diese Interessen werden im öffentlichen Raum verhandelt. Der Humanistische Verband ist daher bestrebt, seine Auffassungen in die Gesellschaft zu tragen und den politischen Diskurs von seinen Positionen her mit zu bestimmen.

Podiumsdiskussion: „Wer zahlt was? Kirche und Staat in Niedersachsen“, 2015 im Haus Humanitas Hannover

Als Weltanschauungsverband im Einsatz für staatliche Neutralität

Eines unserer Ziele ist die ungehinderte und unbeeinträchtigte Entfaltung des Humanistischen Verbandes als Weltanschauungsgemeinschaft im religiös-weltanschaulich neutralen Staat. Wir lehnen jede durch staatliches Handeln oder Unterlassen bewirkte Benachteiligung im Vergleich zu den Kirchen oder anderen religiösen Anbietern ab.

Der Humanistische Verband arbeitet in einer sich ständig wandelnden Welt an der Verwirklichung einer friedlichen, solidarischen und demokratischen Welt, in der Menschen für sich und andere Verantwortung übernehmen.

Dabei ist das politische Agieren des Verbandes immer auch von pragmatischen Erwägungen und wechselnden Bündnissen mit beeinflusst. Der Dialog und die Zusammenarbeit mit religiösen Menschen werden gesucht, das Handeln und die Ziele des Verbandes bleiben jedoch unauflöslich den weltanschaulichen Grundsätzen des Humanismus verpflichtet.

Säkulare Interessen

Als säkulare Interessenvertretung setzt sich der Verband für eine Gesellschaftsordnung ein, in der Staat und Kirche bzw. Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften klar getrennt sind und etablierte Religionsgemeinschaften und deren Mitglieder gegenüber Weltanschauungsgemeinschaften und nicht-religiösen Menschen nicht weiter bevorzugt werden.

Positionen zum Verhältnis von Staat, Religions- und Weltanschauungs­gemeinschaften

  • Die einseitige Privilegierung der großen Kirchen in Konkordaten und Staatsverträgen ist zu beenden. Ein Weg dahin ist die sinngemäße Anwendung der darin enthaltenen Festlegungen auf Weltanschauungsgemeinschaften mit dem Ziel der Gleichbehandlung.
  • Der Kirchensteuereinzug durch den Staat ist zu beenden. Alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften (auch Körperschaften des öffentlichen Rechts) sollten ihre Mitgliedsbeiträge ohne Hilfe der staatlichen Finanzämter einziehen.
  • Alle demokratisch verfassten Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sollen gleichberechtigte Förderung auf allen Ebenen des Bildungssystems erhalten. Dies schließt sowohl die Finanzierung von Privatschulen als auch die wertebildenden Unterrichtsfächer an öffentlichen Schulen und die entsprechende Lehrerausbildung ein. Die praktische Wahlfreiheit ist dabei sicherzustellen, regionale Monopolstellungen sind zu verhindern.
Unterricht in der humanistischen Schule
  • Die Vermittlung demokratischer Grundwerte und Lebensauffassungen als Pflichtaufgabe der öffentlichen Schule darf nicht an den Religionsunterricht delegiert werden. Gemeinsamer, staatlich verantworteter Unterricht zum Beispiel im Fach „Werte und Normen“ ist einer Aufspaltung der Schüler nach Konfessionen vorzuziehen.
  • Das vom Humanistischen Verband verantwortete weltliche Wertefach „Humanistische Lebenskunde“ ist parallel und gleichberechtigt zu konfessionellem Religionsunterricht zuzulassen.
  • In den Bereichen der Öffentlichkeit, die staatlicher Verantwortung unterliegen, darf keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft bevorzugt oder benachteiligt werden. In diesen Bereichen sind alle Zeichen religiöser Art zu entfernen.
  • In den öffentlich-rechtlichen Medien ist die historisch gewachsene Bevorzugung der christlichen Kirchen zu beenden.

Humanistische Interessen

Zweck des Verbandes ist die Förderung von Humanismus und Humanität auf weltlicher Grundlage. Der Begriff Humanität ist älter als das Christentum und lässt sich zurückverfolgen bis in die europäische Antike. Er hatte schon dort die Bedeutung einer „Gleichheit aller Menschen“ sowie von „Bildung“ – im weiten Sinn einer Zivilisierung – und „Barmherzigkeit“. Beispielhaft bei Cicero:

„Die Natur schreibt auch das vor, dass der Mensch dem Menschen, wer immer es sei, helfen wolle, (…)“.

In diesem Sinne baut der Humanistische Verband seine praktische Arbeit auf. Darüber hinaus setzen sich Mitglieder und Vertreter des Verbandes in öffentlichen Diskursen für eine Humanisierung der Gesellschaft aus einer dezidiert humanistischen Perspektive ein.

Tag gegen Rassismus in Oldenburg
Praktischer Humanismus: Der HVD Niedersachsen ist Träger von Kindertagesstätten

Positionen humanistischen Engagements

  • Menschenrechtsverstöße sind nirgends auf der Welt hinzunehmen. Der politische Emanzipationsprozess unterdrückter Minderheiten und die Befreiung des Individuums von ungerechtfertigten Zwängen sind auch über Grenzen hinweg zu unterstützen.
  • Die Hungernden in den armen Ländern der Welt verdienen Solidarität und Hilfe. Ihr Leid ist ein fortgesetzter Skandal. Die Folgen der ökonomischen Globalisierung sind mit Blick auf die Ärmsten zu beurteilen und entsprechend praktisch anzugehen.
  • Das Führen von Angriffskriegen und der Einsatz von Kernwaffen sind grundsätzlich nicht verantwortbar. Die Verwirklichung einer humanen Gesellschaft setzt eine Politik voraus, die den Frieden bewahrt und fördert.
  • Der Schutz der natürlichen Artenvielfalt und die Bewahrung der gemeinsamen Grundlagen allen Lebens sind unverzichtbare Ziele ökologisch verantwortlichen Handelns. Menschen sind Teil der Natur und beeinflussen ökologische Prozesse. Das muss die Menschheit verantwortlich gestalten.
  • Neue Technologien ermöglichen neue Lösungen alter Probleme. Technikfeindschaft ist durch Aufklärung zu begegnen. Das schließt eine rationale Kritik an zumindest bisher oder grundsätzlich nicht beherrschbaren Technologien durchaus mit ein. Der Einsatz von Gentechnologie, Biotechnologien und Reproduktionsmedizin ist konkret danach zu beurteilen, welche Art von Fortschritt sie ermöglichen und welche Chancen und Gefahren mit ihnen verbunden sind.
  • Die Würde des Menschen verlangt die Humanisierung der Arbeitswelt und die Begrenzung wirtschaftlicher Macht. Das freie und gerechte Zusammenleben der Menschen darf nicht durch auf bloßer Machtungleichheit beruhende Herrschaftsverhältnisse beeinträchtigt werden.
  • Die Vielfalt menschlicher Lebensformen soll als Bereicherung verstanden werden. Allen Diskriminierungen aufgrund von ethnischer Herkunft, sogenannter rassischer Abstammung, nationaler oder sozialer Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, des Alters oder der Religion ist entgegenzutreten.
Tag gegen Rassismus – Oldenburg 2015
Aktiver Humanismus: Der HVD Niedersachsen am „Tag gegen Rassismus“ – Oldenburg 2015
  • Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist zu vollenden und vorhandene Benachteiligungen sind abzubauen. Ebenso ist das Miteinander der Generationen zu fördern. Gelebte Erfahrungen und Traditionen sollten jüngeren Menschen zugänglich gemacht und Einsamkeit im Alter verhindert werden.
  • Im privaten Bereich von Lebensgemeinschaft, Familie und Fortpflanzung sind bewusste Entscheidungen aller Betroffenen zu fördern und zu respektieren. Dies schließt sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung ein.
  • Ein Klima von Unterdrückung und Abhängigkeit ist auch in besonderen sozialen oder religiösen Milieus nicht hinzunehmen. Hier ist eine Fürsorgepflicht des Staates gegenüber jugendlichen oder wehrlosen Betroffenen gegeben.

Wir fordern eine ethisch-humanistische Aufnahmepolitik für Schutzsuchende aus Kriegs- und Krisengebieten. Die historischen Erfahrungen mit Fluchtbewegungen der eigenen Bevölkerung beweisen, dass eine menschenwürdige Aufnahme Schutzsuchender mit politischer Bereitschaft sowie gesellschaftlicher Empathie und Offenheit möglich ist.