Städtische Mitarbeiter drohen Humanisten mit Rauswurf aus der Friedhofskapelle

In Hannover ist es auf allen städtischen Friedhöfen seit Jahrzehnten selbstverständlich, dass die Humanisten bei Trauerfeiern anstelle des christlichen Kreuzsymbols ihr eigenes Flammensymbol an den Trauerplatz stellen. Die städtischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind dabei kooperativ behilflich und tauschen die sich vor Ort befindlichen Symbole der jeweiligen Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften bereits vor der Trauerfeier aus. Dem letzten Willen eines Verstorbenen und den Angehörigen, die nicht christlichen Glaubens sind, wird somit angemessen nachgekommen.

Doch vor wenigen Zeit erlebten die Sprecherinnen und Sprecher des Humanistischen Verbandes auf dem Ricklinger Stadtfriedhof in Hannover eine im Grunde ungeheuerliche Entgleisung der städtischen Angestellten. So weigerten sich plötzlich die Friedhofsmitarbeiter das christliche Kreuz gegen das humanistische Flammensymbol auszutauschen. Als Begründung nannte man, dass das steinerne Kreuz zu schwer und dies den Mitarbeitern nicht zuzumuten sei. Das Angebot unserer Sprecher das Kreuz selbst gegen das Flammensymbol auszutauschen wurde nicht nur abgelehnt, vielmehr wurden unsere Sprecher bedroht, dass wenn sie das Kreuz eigenmächtig austauschen würden, sie mit einem Hausverbot zu rechnen hätten. Schlussendlich kündigte einer der Mitarbeiter sogar an, das Kreuz künftig derart fixieren zu wollen, dass man es gar nicht mehr wegnehmen könnte. Der ganze Vorgang fand unmittelbar vor einer humanistischen Trauerfeier statt.

Der Humanistische Verband hat sich daraufhin in großer Betroffenheit in zwei Schreiben an den Oberbürgermeister wegen des Verstoßes gegen das Grundgesetz Artikel 4 Satz 2 gewandt und gegen dieses Vorgehen scharf protestiert.

Im Grundgesetz unter Artikel 4 Satz 2 heißt es immerhin:
Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“.

Weiter steht bim Grundgesetz:

Alle Bürger haben das Recht, ihre religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen zu leben und zu verwirklichen.

  • Niemand darf aufgrund der religiösen Überzeugung anderer in seiner eigenen Lebensführung eingeschränkt oder genötigt werden, die jeweilige Überzeugung zu übernehmen.
  • Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sind gleich zu behandeln (Art. 140 Grundgesetz).

Die Stadtverwaltung hat in einem Schreiben bislang lediglich ihr Bedauern ausgedrückt und den Vorfall mit einem “… Missverständnis in der Kommunikation“. begründet. In einem Telefonat mit dem Landesgeschäftsführer versuchte eine Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung das Ganze zu bagatellisieren und auf technische und formale Schwierigkeiten zu reduzieren.  Auf ein formelles Entschuldigungsschreiben von Seiten der Stadt wartet der Humanistische Verband noch immer.

Der Humanistische Verband sieht in diesem Verhalten der Mitarbeiter auf dem Friedhof ein Beispiel für die nach wie vor bestehende Benachteiligung und Diskriminierung nichtreligiöser Menschen.