Humanismus im Dialog

Humanistinnen und Humanisten sind der Überzeugung, dass ihre humanistische Weltanschauung neuen Erkenntnissen und Einsichten der Wissenschaften sowie kritischen Einwänden anderer Menschen gegenüber offen sein muss. Nur so können die Fallen von Dogmatismus und Wunschdenken vermieden werden. Für ein gutes und erfülltes Leben und ein gedeihliches menschliches Miteinander sind der Austausch und die kritische Prüfung von Ideen unerlässlich. Das gilt auch für die ganz persönlichen Überzeugungen, die uns Menschen im Alltag Halt und Orientierung geben.

Deutschsprachige Delegation mit der damaligen IHEU-Präsidentin Sonja Eggerickx (6.v.r.) auf dem World Humanist Congress 2014 in Oxford

Erforschen, Dialog und Beratung sind humanistische Grundprinzipien

„Humanismus ist eine Antwort auf die verbreitete Nachfrage für eine Alternative zu dogmatischer Religion. Die großen Weltreligionen behaupten, sie basierten auf Offenbarungen, die für die Ewigkeit feststünden, und viele trachten danach, der gesamten Menschheit ihre Weltsicht aufzuerlegen. Humanismus erkennt an, dass verlässliches Wissen über die Welt und uns selbst über einen fortgesetzten Prozess der Beobachtung, Evaluation und Überprüfung erwächst.“ Aus der Amsterdam-Deklaration, Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU) 2002

So erklärt sich die besondere Bedeutung der vom Verband veranstalteten Humanistischen Foren, Treffen und Gesprächskreise. Sie dienen keiner „Verkündung“ oder „Mission“, sondern vielmehr der kritischen Verständigung von Menschen untereinander und der Bildung eigener, persönlicher Haltungen. Sie sind in diesem Sinne Teil einer nie abgeschlossenen Humanistischen Bildung.

Humanistisches Forum Hannover
Humanistisches Forum Hannover: Lee Traynor bei seinem Vortrag „Das Dilemma der Skeptiker“

Dokumente der Selbstverständigung

Die Ergebnisse der wiederkehrenden Diskussionen über das Selbstverständnis von Humanistinnen und Humanisten sind in Erklärungen der nationalen und internationalen Verbände festgehalten. An folgenden aktuellen Erklärungen übergeordneter Humanistischer Verbände orientiert sich unser Verband:

„Minimum Statement on Humanism“ (IHEU 1996)
Die Anerkennung folgenden Statements ist Mindestvoraussetzung für die Mitgliedschaft in der IHEU:

„Humanismus ist eine demokratische und ethische Lebenseinstellung, welche die Ansicht vertritt, dass Menschen das Recht und die Verantwortung haben, ihrem eigenen Leben Sinn und Form zu geben. Er steht für den Aufbau einer menschlicheren Gesellschaft durch eine Ethik, die auf menschlichen und natürlichen Werten im Geiste der Vernunft und der freien Meinungsbildung durch menschliche Fähigkeiten basiert. Er ist nicht theistisch und akzeptiert keine übernatürlichen Sichtweisen auf die Realität.“

„Humanistisches Selbstverständnis“ (HVD 2015)
Das Humanistische Selbstverständnis 2015 dient der Selbstverständigung des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) als Organisation in seiner jetzigen Phase der Entwicklung. Es soll dazu einladen, sich über Voraussetzungen, Grenzen und Perspektiven des organisierten Humanismus neue Gedanken zu machen.

„Amsterdam Deklaration“ (IHEU 2002)
Die Deklaration über die grundlegenden Prinzipien des modernen Humanismus wurde 2002 von der Generalversammlung der IHEU zum 50-jährigen Jubiläum ihrer ersten internationalen Konferenz beschlossen (hier in Schlagworten):

  • Humanismus ist ethisch.
  • Humanismus ist rational.
  • Humanismus unterstützt Demokratie und Menschenrechte.
  • Humanismus besteht darauf, dass persönliche Freiheit mit sozialer Verantwortung kombiniert werden muss.
  • Humanismus ist eine Antwort auf die verbreitete Nachfrage für eine Alternative zu dogmatischer Religion.
  • Humanismus befürwortet künstlerische Kreativität und Imagination und erkennt die transformative Macht der Kunst an.
  • Humanismus ist eine Lebenseinstellung, die auf die größtmögliche Erfüllung durch die Kultivierung eines ethischen und kreativen Lebens zielt und eine ethische und rationale Methode bietet, die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen.