Von der Jugendweihe zur Jugendfeier

Die erste dokumentierte Jugendweihe wurde 1852 von Eduard Baltzer in Nordhausen im Harz ins Leben gerufen. In der Durchführung sollte im Rahmen einer weltlichen Lebensfeierkultur ein „Übergang“ zum Erwachsenwerden manifestiert werden, wie es die Konfirmationen in der Praxis auch taten. Für Niedersachsen ist die erste Jugendweihe 1886 nachgewiesen. Sie wurde von der Freireligiösen Gemeinde in Hannover durchgeführt.

Jugenfeierteilnehmer 1929
Teilnehmer einer Jugendfeier 1929

Zwischen den Kriegen in Deutschland

Jugendweihe 1932
Auszug aus einer „Weiheordnung“ von 1932

Auch wenn es in der Literatur keine genauen Angaben über die Zahl der Teilnehmer an Jugendweihefeiern gibt, so ist doch eindeutig, dass sie nach dem ersten Weltkrieg, mit steigendem proletarischem Klassenbewusstsein, deutschlandweit anstiegen. Insbesondere sind hier die Hochburgen Hamburg, Berlin und Leipzig zu nennen. In den 1920er-Jahren nahmen bis zu einem Fünftel der Jugendlichen eines Jahrgangs an den Feiern teil.

Einer der größten Anbieter der Jugendweihen, zeitweise auch Schulentlassungsfeier genannt, war in dieser Zeit die „Proletarische Freidenker-Bewegung“. Den Jugendlichen sollte mit diesem Übergangsritual vor ihrem Eintritt in das Berufsleben auch proletarisches Bewusstsein vermittelt werden. Die Durchführung der Feier gestaltete sich proletarischer: es wurden Arbeiterlieder anstelle von Volksliedern gesungen – hin und wieder sogar die „Internationale“.

Jugendweihen unter dem Nationalsozialismus

Die proletarisch-freigeistige Einstellung der Anbieter machte diese zwangsläufig zu Kulturfeinden der Nationalsozialisten. Bereits 1932 forderten die Nationalsozialisten im Reichstag das Verbot der Freidenker. Nach der Machtergreifung Hitlers wurden bis 1934 alle Organisationen, die sich nicht im Rahmen der „Gleichschaltung“ eingliedern ließen, verboten. Einzig die 1933 gegründete „Deutschgläubige Bewegung“ fasste einige völkisch geprägte Gruppen zusammen und führte in der Zeit des Nationalsozialismus offiziell Jugendweihen durch. Diese Bewegung grenzte sich nicht von den Positionen der Nazis ab. Inoffiziell führte die verbotene Freidenker-Bewegung, ohne große Vorbereitungszeit, in kleinen Gruppen aber auch weiterhin proletarische Jugendweihen durch.

Nachkriegszeit bis Wiedervereinigung

In der Nachkriegszeit wurde in den vier Besatzungszonen unterschiedlich mit der Neuzulassung verschiedener Trägerverbände umgegangen.

In den westlichen Besatzungszonen wurden bereits Mitte der 1940er-Jahre wieder Jugendweihen durchgeführt. In Niedersachsen wurde die „Freireligiöse Gemeinde“ (später „Freie Humanisten Niedersachsen“, seit 2007 „Humanistischer Verband Niedersachsen“) neu gegründet: Ostern 1950 gab es erstmals wieder eine Jugendweihe in der Niedersachsenhalle in Hannover, an der 500 Jugendliche teilnahmen.

Jugendfeier Hannover 1959
Jugendfeier am 29. März 1959 in der Niedersachsenhalle in Hannover

In der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR wurden die Jugendweihen bis 1954 lokal mal gefördert, mal geduldet, mal verboten. Ab diesem Zeitpunkt wurden sie mit Hilfe des „Zentralen Ausschusses für Jugendweihe“ offiziell in den Dienst des sozialistischen Staates gestellt. Gegen Ende der 1980er-Jahre nahmen 97 % der Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen an den einjährigen Vorbereitungen und den Feierlichkeiten statt.

Jugendweihen und -feiern heute

Nach 1990 wurde die traditionsreiche Jugendweihe bzw. Jugendfeier insbesondere von konservativen Kräften als Erfindung der DDR abgestempelt und wurde mit deren Eingliederung in die BRD als überholt erklärt. Zu diesem Zeitpunkt gab es kurzfristig in den ostdeutschen Bundesländern einen Rückgang bei den Teilnehmerzahlen. Heute nehmen dort fast die Hälfte aller Jugendlichen wieder an einer konfessionsfreien Feier teil.

Jugendfeier Berlin-Brandenburg
Jugendfeier im Friedrichstadt-Palast Berlin

Aber auch in den „alten“ Bundesländern erfreut sich die Feier ohne religiöse Bezüge wachsender Beliebtheit. Bereits 2002 haben etwa 114.000 Jugendliche bundesweit an einem solchen Fest teilgenommen.

Die moderne Humanistische JugendFEIER des Humanistischen Verbandes ist keine Unterweisung in Form einer „Weihe“, die mit einem Gelöbnis oder in anderer Form kollektive Bekenntnisse zu einem Staat, einem Glauben oder einer Ideologie fordert. Sie versteht sich als ein Orientierungsangebot, das hilft, politische Kultur, humanen Umgang mit Menschen und deren Problemen, sowie kreative, Selbstbestimmte Lebensgestaltung auf Grundlage unserer freiheitlich, demokratischen Grundordnung zu entwickeln.

Jugendweihe, Jugendfeier – was ist der Unterschied?

Die Jugendfeier des Humanistischen Verbandes ist eine stetige Weiterentwicklung der traditionellen Jugendweihe zu einem modernen und dabei inhaltlich anspruchsvollen Angebot für nichtreligiöse Kinder und Jugendliche. 1988 wurde von den „Freien Humanisten“, dem heutigen Humanistischen Verband Niedersachsen, die bisherige Jugendweihe in „Humanistische Jugendfeier“ umbenannt, um die Weiterentwicklung deutlich werden zu lassen. Andere Anbieter, die zumeist aus der Tradition der DDR-Jugendweihen hervorgegangenen sind, haben diesen Schritt nicht vollzogen.

Jugendfeier – für wen ist das?

Teilnehmer der Jugendfeier

Das Angebot der Humanistischen Jugendfeiern richtet sich in der Regel an 13- bis 14-jährige Jugendliche, die nicht an einem kirchlichen Übergansritual teilnehmen möchten. Bei derzeit fast 35 % Konfessionslosen – die Tendenz ist steigend – können und wollen viele Kinder und Jugendliche die Inhalte der kirchlichen und religiösen Angebote nicht mit ihren eigenen Überzeugungen verbinden.

Jugendfeier hat Zukunft!

Immer mehr Menschen in Deutschland sind konfessionslos. Eine Studie der Forschungsgruppe Weltanschauungen geht davon aus, „[…] dass um etwa 2025 die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung keiner der großen beiden Kirchen mehr angehören wird.“ (fowid-Studie „Religionszugehörigkeit, Deutschland – Bevölkerung 1970–2011“)

Daraus ergibt sich, dass der Bedarf an den humanistischen Fest- und Feierstunden, wie Namensfeier, Jugendfeier, Trauung und Trauerfeier, zunehmen wird. Denn es wird immer ein Bedürfnis bestehen, besondere Ereignisse im Leben eines Menschen oder einer Familie festlich hervorheben zu können. Was Horst Groschopp 2000 in seinem Text „Jugendweihe und Festkultur“ schrieb, gilt unverändert seit dem 19. Jahrhundert bis heute:

„Gottlose hatten [und haben] die Wahl zwischen diesem Fest, einem rein familiären oder keinem.“

Jugendfeiern aktuell

Mehr zu dem aktuellen Angebot der humanistischen Jugendfeiern in Niedersachsen, zur Vorbereitungszeit, der Anmeldung und der Jubiläumsfeier in Hannover erfahren Sie hier…